Leichte Sprache
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Befreiung von Auschwitz: Gegen das Vergessen, gegen den Hass

Heute vor 80 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau befreit. Das Zitat des spanischen Philosophen George Santayana steht am Eingang von Block 4 des ehemaligen Vernichtungslagers, in dem von 1940 bis 1945 rund 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden. 

"Wer die Geschichte nicht erinnert, ist verurteilt, sie neu zu durchleben."

Warum dieses Zitat des spanischen Philosophen George Santayana, angebracht am Eingang des Blocks 4 in Auschwitz, so dramatisch treffend ist, zeigt die aktuelle politische Lage in der Welt, in Europa. 

Und eben vor allem auch in Deutschland, wo die in Teilen rechtsextreme AfD das Erinnern durch Vergessen und Ignoranz ersetzen will. Das Unwort "Schuldkult" macht die historische Verantwortung verächtlich, die in dem wichtigen Bekenntnis "Nie wieder ist jetzt!" Ausdruck findet. Noch steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter diesem Bekenntnis. Doch es erfordert neben verantwortungsvoller Politik auch weiterhin starkes zivilgesellschaftliches Engagement, dass das auch so bleibt. 

Denn hört man die Parolen von Rechtsaußen und ihre Sogwirkung zur Mitte, dann ist festzustellen: Es hat schon längst wieder etwas begonnen. Unterhält man sich mit Menschen mit Behinderung, sind nicht nur vage Sorgen spürbar. Es werden auch bereits konkrete Ängste formuliert: "Ich habe Angst, dass ich wie damals in ein Lager komme, wo man mir dann weh tut oder Schlimmeres", erzählte kürzlich einer unserer Betreuten im Gespräch. Es schmerzt und entsetzt, dass Menschen in unserem Land 80 Jahre nach dem mörderischen Zivilisationsbruch der Nationalsozialisten wieder Angst vor dieser menschenverachtenden und lebensvernichtenden Ideologie haben müssen. 

Zwischen 1939 und 1945 ermordete das NS-Regime im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“-Programme über 300.000 Menschen mit Behinderungen. Darunter viele Kinder. Zudem wurden etwa 400.000 Menschen auf Grundlage des Gesetzes „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zwangssterilisiert. 

All diese Menschen wurden von den Nazis als „lebensunwert“ bezeichnet. Als „Ballastexistenzen“, von denen das vermeintlich „rassisch reine“ deutsche Volk befreit werden sollte. Hunderttausende Menschen wurden somit Opfer einer grausamen Ideologie, die Menschlichkeit durch Hass ersetzte.

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Diese mörderischen Verbrechen mahnen uns, die Würde JEDES Menschen zu schützen und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten. Dafür steht auch die Lebenshilfe Lindau in voller Überzeugung ein. Erinnern bedeutet Verantwortung – für gestern, heute und für morgen.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe fordert, die Opfer der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisationen sollen 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs endlich als Verfolgte des Nazi-Regimes anerkannt werden.

Die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Ulla Schmidt, betonte bereits vor Jahren, dass es keinen einzigen historischen Grund gebe, die Opfer von „Euthanasie“ und Zwangssterilisation nicht als Opfer des Nationalsozialismus anzuerkennen. Die Vernichtung von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen sei von den Nationalsozialisten systematisch vorbereitet und durchgeführt wurden.

Diese Verbrechen wirkten bis in die Gegenwart, sagte Schmidt. So bestehe in der deutschen Gesellschaft bis heute ein defizitäres Denken bezüglich Menschen mit Behinderungen. Es müsse ein für allemal klargestellt werden, dass es kein „unwertes Leben“ gebe, sondern dass behinderte Menschen zur Bandbreite der menschlichen Vielfalt dazugehörten.

EINFACHE SPRACHE:

Heute vor 80 Jahren wurde das Lager Auschwitz befreit. 
In Auschwitz ermordeten die Nazis über eine Million Menschen. 
Am Eingang von Block 4 steht ein Spruch: Wer die Geschichte vergisst, erlebt dasselbe noch einmal.
Dieser Spruch ist heute immer noch wichtig. 
Denn rechte Parteien in Deutschland wollen das Erinnern schwächen. 
Doch wir müssen aus der Geschichte lernen.
Zwischen 1939 und 1945 ermordeten die Nazis über 300.000 Menschen mit Behinderungen. 
Diese Menschen wurden als „lebensunwert“ bezeichnet. 
Sie wurden Opfer von Hass und einer grausamen Ideologie.
Noch heute haben Menschen mit Behinderungen oft Angst. 
Einer sagte: „Ich habe Angst, wieder verfolgt zu werden.“
Wir müssen Diskriminierung immer bekämpfen. 
Erinnern heißt Verantwortung – gestern, heute und morgen.


Michael Wollny
Öffentlichkeitsarbeit
michael.wollny@lh-lindau.de