Leichte Sprache
Natürlich. Gemeinsam.

Ein Stück Inklusion mit Puderzucker und Sahne

Das Lebenshilfe-Team im Café Inklusiv
Ursel Edeler und Inge Litz (l.) vom Verein Modell Wasserburg e.V.
Das Café Inklusiv findet im Café Eulenspiegel statt.

„Wir kommen mittlerweile jeden Mittwoch hier her, weil es eine ganz besondere Atmosphäre ist.“ Die ältere Dame und ihr Begleiter bezeichnen sich bereits als Stammkundschaft des Café Inklusiv in Wasserburg. Und das liegt nicht nur an der „hervorragenden Qualität“ der Salate, Hauptspeisen und Kaffee und Kuchen, wie beide mit strahlenden Augen betonen. „Es ist diese Menschlichkeit und ehrliche Freundlichkeit, die man hier erfährt.“

Die Service-Kräfte seien „erfrischend herzlich und schenken einem immer ein fröhliches Lächeln“. Bei den so ausdrücklich Gelobten handelt es sich nicht um reguläre Gastronomie-Fachkräfte. Es sind Menschen mit Behinderung, die von der Lebenshilfe Lindau betreut werden.

Seit April 2024 kooperiert das Lindauer Werk der Lindenberger Werkstätten mit dem Verein Modell Wasserburg. Als Ergebnis öffnet mittwochs von 10 bis 16 Uhr das „Café Inklusiv“ in der Dorfstraße 25, wo der Verein ein kleines Kulturzentrum unterhält. Ein Bioladen, ein Veranstaltungsraum und eine gemütliche Gastronomie – das ist der Wasserburger „Eulenspiegel“.

Ursel Edeler und Inge Litz sitzen dort auf einem gemütlichen Platz im Garten des Cafés. Die Herbstsonne schickt sanfte Strahlen durch das überhängende Blätterdach und durchbricht den Schatten mit wohliger Wärme. Die beiden Frauen vom Modell Wasserburg e.V. betreuen mit ihrer Kollegin Tatjana Kerl das Inklusionsprojekt. 

„Einfach genial, wie sich das alles entwickelt hat“, sagt Edeler. „Die Resonanz auf das Café Inklusiv ist toll. Auch der Bürgermeister und die Gemeinde stehen voll dahinter. Viele Einheimische nehmen das Angebot gerne an, es gibt auch schon eine Stammkundschaft. Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe klappt super.“ Und Inge Litz ist „beeindruckt, wie sich die Betreuten der Lebenshilfe entwickeln, wie es ihr Selbstbewusstsein stärkt. Das ist unbezahlbar für die persönliche Entwicklung“. 

Sabine und Daniel, die an diesem Tag die Anleitung der Betreuten als Fachkräfte der Lebenshilfe übernehmen, bestätigen das: „Klar, es ist nicht für jeden geeignet“, meint Sabine. „Aber die, die es können, blühen regelrecht auf. Und das merken auch die Besucher. Dieses Feedback ist eine tolle Erfahrung für die Betreuten.“

Somit wird mit dem Café Inklusiv eine wichtige Zielsetzung erreicht, betont Doris Harder vom Lindauer Sozialdienst der Lebenshilfe: „Das Ziel des Projektes ist der Kontakt unserer Betreuten nach draußen, das Erlernen von Fähigkeiten im Bereich Gastronomie. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Selbständigkeit zu stärken.“

Fachkraft Daniel sieht in dem Projekt ebenfalls eine „Art Heranführung an die Arbeitswelt in der Gastronomie“. Wertvoll sei „auf jeden Fall der Kontakt mit den Besuchern und die Erfahrung, in Stoßzeiten mit Stress umzugehen“. Diese Erfahrung hat Basti schon gemacht: „Wenn viel los ist, dann wird’s schon mal stressig. Aber da ist es dann wichtig, dass wir uns gegenseitig helfen.“ 

Natalie läuft in diesem Moment mit einem vollen Tablett Geschirr vorbei und ruft über die Schulter lachend zu: „Aber es macht auf alle Fälle riesig Spaß!“

Um all diese Erfahrungen zu ermöglichen, muss ein schwieriger Spagat gelingen. Denn die Werkstätten-Betreuten werden im Café Inklusiv von Fachpersonal der Lebenshilfe begleitet, angeleitet und unterstützt. Wer also an dem Tag Kuchen serviert, Kaffee aufkocht und Geschirr spült, der fehlt der Werkstatt bei anderen wichtigen Arbeitsabläufen. Ob perspektivisch ehrenamtliche Helfer eine Unterstützung sein könnten, wird noch geprüft. Bislang ist das Projekt bis Mitte 2025 angedacht.

Einig sind sich Betreuer, Betreute, Betreiber und Besucher jedenfalls darin, dass sich mit dem Café Inklusiv in Wasserburg das Schöne mit dem Sinnvollen zu etwas Besonderem vereint. „Wissen Sie, warum das so wichtig ist?“, fragt eine Besucherin und gibt die Antwort gleich selbst: „Weil es zeigt, dass Inklusion im Alltag funktioniert. Das ist eine ganz tolle Sache. Wir kommen auf alle Fälle wieder.“

Das Café Inklusiv in der Dorfstraße 25 in Wasserburg hat mittwochs von 10 - 16 Uhr geöffnet und bietet neben Kaffee und Kuchen auch einen leckeren Mittagstisch an.

 

Michael Wollny
Öffentlichkeitsarbeit
michael.wollny@lh-lindau.de 

EINFACHE SPRACHE:

In Wasserburg gibt es ein Café. Dort arbeiten Menschen mit Behinderung. Die Lebenshilfe Lindau betreut die Menschen. Die Betreuten verkaufen Kaffee und Kuchen. Mittagessen verkaufen sie auch. Sie bringen das Essen und Trinken den Gästen. Das Geschirr spülen sie selbst ab. Die Gäste sind begeistert. Sie sagen: Die Menschen mit Behinderung machen das toll. Sie sind immer freundlich und nett. Deshalb kommen die Gäste gerne immer wieder. Die Betreuten haben auch Spaß an ihrer Arbeit. Sie lernen dabei viel. Das Café ist immer am Mittwoch offen. Es öffnet um 10 Uhr. Um 16 Uhr wird es geschlossen.